Konjunktur- Schweizer Wirtschaft wächst stärker als erwartet

Das Wirtschaftswachstum in der Schweizer hat sich im ersten Quartal 2019 im Einklang mit dem europäischen Umfeld klar beschleunigt.Aktualisiert um 10:12Blick auf die Bahnhofstrasse von Zürich. Blick auf die Bahnhofstrasse von Zürich. Bild: cash

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs dabei deutlich schneller als erwartet. Vor allem von der Inlandnachfrage, aber auch vom Aussenhandel kamen Impulse.

Konkret wuchs das reale BIP in der Periode von Januar bis März 2019 gegenüber dem Vorquartal um 0,6 Prozent. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal waren es +1,7 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte. Von AWP befragte Experten hatten das Wachstum zum Vorquartal lediglich bei +0,2 bis +0,4 Prozent und im Vorjahresvergleich bei +0,8 bis +1,0 Prozent gesehen.

Auch die Zahlen des vierten Quartals 2018 fielen etwas besser aus als ursprünglich vermeldet: sie wurden auf +0,3 bzw. 1,5 Prozent leicht nach oben revidiert. Die Schweiz ist mit der Beschleunigung nicht alleine, auch in anderen europäischen Ländern fielen die Wachstumsraten im ersten Quartal höher aus als in der Periode davor. Deutschland etwa erzielte im ersten Quartal ein BIP-Wachstum zum Vorquartal von 0,4 Prozent, nachdem das Wachstum im vierten Quartal noch stagniert hatte.

Privater Konsum leicht überdurchschnittlich

In erster Linie stützte laut Seco die anziehende Inlandnachfrage das Wachstum, aber auch vom Aussenhandel kamen positive Impulse. Der private Konsum (+0,4%) wuchs gemäss den Angaben erstmals seit sechs Quartalen wieder leicht überdurchschnittlich. Die Konsumausgaben seien dabei fast in allen Bereichen gestiegen, am stärksten bei der Gesundheit, gefolgt von der Mobilität.

Auch die Bauinvestitionen (+0,5%) seien ansehnlich gewachsen, so das Seco, nachdem sie noch in der zweiten Jahreshälfte 2018 leicht zurückgegangen seien. Die Wertschöpfung im Baugewerbe (+1,9%) stieg gar so stark wie seit Ende 2017 nicht mehr, wobei die Umsätze sowohl im Tief- als auch im Hochbau anzogen. Ebenfalls positiv entwickelten sich die Ausrüstungsinvestitionen (+1,5%). Insbesondere in Forschung und Entwicklung, Fahrzeuge und EDV-Dienstleistungen sei mehr investiert worden.

Dienstleistungsbranchen positiv

Gestützt durch die anziehende Binnennachfrage und die steigenden Dienstleistungsexporte (+1,7%) entwickelten sich die meisten Dienstleistungsbranchen positiv. Im bedeutenden Sektor der unternehmensnahen Dienstleistungen (+0,4%) etwa habe sich das leicht überdurchschnittliche Wachstum des Vorquartals fortgesetzt. Auch der Gesundheitssektor (+0,8%), der Handel (+0,5%) und die Finanzbranche (+0,7%) expandierten. Im Handel hatte es davor fünf negative Quartale gegeben.

Das verarbeitende Gewerbe (+1,5%) sei wie im Vorquartal dynamisch gewachsen. Die Produktion stieg dabei in der Pharmabranche, aber auch bei den Uhren und Präzisionsinstrumenten. Dies nicht zuletzt dank der internationalen Nachfrage nach Schweizer Produkten, wie es heisst. Die Warenexporte (+2,2%) wuchsen im ersten Quartal erneut, gleichzeitig stiegen auch die Importe von Waren und Dienstleistungen (+2,0%).

Weiteres Wachstum fraglich

Ob sich das hohe Wachstum in den folgenden Quartalen wiederholen lässt, bleibt allerdings fraglich. Der BIP-Zuwachs des ersten Quartals habe jedenfalls eine hohe Messlatte gelegt, die in den kommenden Quartalen kaum übersprungen werden könne, schreibt die VP Bank in einem Kommentar. Das globale Umfeld trübe sich auch aufgrund der fortwährenden Handelsstreitigkeiten ein, was den Unternehmen die Investitionslaune verderben könne. Darüber hinaus stottere der Konjunkturmotor in der benachbarten Eurozone gewaltig.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte das Zahlenmaterial wohlwollend aufnehmen, auch wenn sich unmittelbare Konsequenzen daraus nicht aufdrängten. Die weiterhin schleppende Inflationsentwicklung und die sich eintrübende Weltwirtschaft blieben Hindernisse für eine baldige geldpolitische Straffung, so die VP Bank weiter.

(AWP)